Wollen Sie einen hilfsbedürftigen Igel selbst versorgen?

Grundsätzlich muss man zwischen Igelsäuglingen, Igelkindern und erwachsenen, verletzten Igeln unterscheiden.

 

Igelsäuglinge: von 10 bis 350 g, anfangs noch blind, rosa, weisse Stacheln, dann wie erwachsener Igel in Miniformat

Igelkinder: über 350 g, Augen offen (ev. klein wegen Dehydration), graue, harte Stacheln

 

Alter

Hautfarbe

Stacheln

Fell

Augen Ohren

Zähne

Gewicht (g)

Neu geboren

rosa

weiß

ohne

geschlossen

keine

12 – 25

1 Woche

rosa

einzelne dunkle

ohne

geschlossen

keine

30 – 50/60

2 Wochen

grau

dunkel

etwas Flaum

öffnen sich

keine

60/80 – 100

3 Wochen

grau

dunkel

vorhanden

offen

stoßen durch

100 – 130/140

4 Wochen

grau

dunkel

dichter

offen

vollzählig

140 – 180/250

5 Wochen

grau

dunkel

dicht

offen

vollzählig

250 – 350

 

Prinzipiell raten wir dringend von Erstversuchen bei Igelsäuglingen ab. Gut gemeint, heisst nicht gut gegangen! Je kleiner ein Igelsäugling ist, desto weniger verzeiht er Pflegefehler und stirbt gleich oder Tage später. Igelsäuglinge gehören VOR der ersten Ersatzmuttermilchgabe in erfahrene Hände. Ab der ersten Ersatzmuttermilchgabe haben Sie die Verantwortung für dieses Wesen übernommen und müssen es bis zum Gelingen (selten) oder dem Tod (leider häufig) durchziehen. Denn auch ein Pflegerwechsel ist sehr schlecht.

 

Wenn Sie sich dennoch für einen Versuch entscheiden, oder weil keine andere Abgabemöglichkeit besteht, beachten Sie bitte den Aufzuchtsplan VOR der ersten Milchgabe. Nachher ist zu spät!

 

Achtung:  Ersatzmuttermilch ist ein Pulver für Babykatzen (nicht Menschenkinder), das mit heißer Flüssigkeit angerührt wird. 

                  Es ist KEINE andere Milch wie z.B.: Kuhmilch, Katzenmilch, Ziegenmilch, Kondensmilch etc.!

                  Diese Milcharten schaden den Igelbabys und können zum Tod führen!!!!

 

 

Beachten Sie bitte den Hinweis im unserem Aufzuchtplan für die richtige Mischung (= abweichend von der Packungsbeilage) 

 

Tierärzte sind nur dann als Ansprechpartner geeignet, wenn sie schon selber Igelsäuglinge erfolgreich hochgebracht haben!

 

Grundsätzlich brauchen Igelsäuglinge, wie der Name schon sagt, Muttermilch. Sie werden von der Igelmutter bis ca. 350 g/5. Lebenswoche, manchmal länger gesäugt. Dies auch wenn sie teilweise schon feste Nahrung zusätzlich aufnehmen. Auch wenn sie schon Milchzähne haben! Wenn die kleinen Igel schon die Mutter verloren haben, ist es an uns, ihnen diese wichtigen Nährstoffe fürs Leben ersatzweise zu geben. Was der kleine Igel an Nährstoffen nicht bekommt, hängt ihm ein ganzes, dadurch vielleicht kurzes, Leben nach!

 

Für die ergänzenden Tipps zur Aufzucht von Igelsäuglingen unter 250 g rufen Sie bitte sofort nach Auffinden, Abwiegen und Wärmeflasche hineinlegen (!!!) den Aufzuchtplan auf! 

 

Folgende Tipps gelten für die Pflege von Igelkindern über 250 g, die schon zusätzlich Festfutter fressen, nicht mehr unbedingt  Ersatz-Muttermilch  brauchen, herumrennen und verletzten Igel.

 

Bevor Sie beginnen:

Drücken Sie in Ihren Gedanken den großen RESET-Button

Vergessen Sie alles, was Sie bisher und früher gehört haben oder man Ihnen in Geschäften als „gut“ verkaufen will. Behalten Sie nur die Natur im Auge/Kopf. Hinterfragen Sie alles im Vergleich mit der Natur vor der Türe!

Ein kleiner, kranker Igel braucht Hilfe, besondere Bedingungen, vergleichbar mit einem Krankenbett oder sogar einer Intensivstation, und keinen „Reitstall“ als Auslauf!

Umgekehrt gehört kein gesunder, kräfiger, grosser Igel in menschliche Obhut, sondern in die große Freiheit!

Das ist auch der Unterschied zwischen „notwendiger Kurzzeitpflege“ und „Haltung“!

Keine Igelstation kann mehr als  0,5 m² für einen Igel anbieten. Auf diesem Platz = Käfig mit 100 x 50 cm, sind oft sogar 2 oder 3 Igel je nach Größe und Alter untergebracht. Zuviel Platz ist unter Umständen kontraproduktiv, da Sie Kot und Urin beobachten müssen. Ein Igel läuft nur dann, wenn es ihm nicht gut geht, oder er Hunger hat. Trotz des kurzfristig geringen Platzangebotes (vor und nach dem Winterschlaf) bekommt KEIN Igel dadurch Lähmungserscheinungen! Das können Sie wirklich glauben!

 

Wenn Sie auf anderen Seiten oder von „erfahrenen“ Leuten gehört haben, Sie sollen Faschiertes, abgebratenes Ei, Haferflocken, Fisch, Bananen füttern, fragen Sie sich bitte, ob die Igel bei uns das alles finden, ob das damit richtig sein kann! Es liegen wirklich selten Kuh und Schwein gewolft in der Gegend herum, gebratene Eier gibts nichtmal bei 40 Grad plus im Sommer auf der Wiese, ja und die Bananenstauden gibts bei uns auch in keinem Wald, oder? Ganz selten sind auch Getreidemühlen oder Angeln im Besitz von Igeln zu finden. Zumindest ist bisher kein Fall bekannt.

 

Somit löschen Sie alles aus dem Gedächtnis und beginnen Sie ganz neu!

 

Die Kurzzeithaltung eines gefundenen Igels, der aus dem Säuglingsalter heraus ist, also mehr als 300 g hat, entspricht der Haltung, dem Aufwand und dem Geruch, wie man früher Meerschweinchen gehalten hat – also ein Käfig mit Streu, Häuschen, Futterschüssel und Wasserschüssel.

Das Futter ist in Wasser aufgeweichtes Katzentrockenfutter (ev. für Katzenbabys).

Nach einer Woche kommt die Entwurmung dran.

AUS! Das ist alles. Und es funktioniert!

 

Grundsätzlich benötigte Ausrüstung:

* Eine große Wanne (Mörtelwanne/weisse, große Aufbewahrungsboxen) für kleine Igel
* Ein Meerschweinchen-/Kaninchenkäfig ab ca. 100 cm für größere Igel, die sich nicht mehr im senkrechten Gitter erhängen können. Es gibt aber schon Käfige, die nur waagrechtes Gitter haben.


* Einstreu


* Schuhschachtel als Häuschen
* 1 flache Wasserschale
* 1 flache Futterschale

* Flohspray von „BIOSCHUTZ LINIE“ (siehe Bezugsquellen)

  

* Trockenfutter für Katzenkinder, z.B. „ZOE Katzenwelpen“ (siehe Bezugsquellen), Royal Canin.

* Wasser

* Küchenwaage für tägliches Abwiegen

* Wärmeflasche, Snugggle Safe oder Reptilienheizstein mittlere Größe